Beschreibung
Sprache: Deutsch
Roman
Op der Lay 165
2011, 204 Seiten, Paperback
ISBN 978-2-87967-176-5
Ein Leichenschmaus erster Klasse beim Sternekoch im Bären, alles Erlesene ist da: der Stadtpräsident in der Urne, die Gräfin von der Alp, sogar der Bischof, der Hausarzt Dr. Knock, der Psychiater Dr. Keller und weitere geladene Gäste. Als Margarete, die frische Witwe noch vor dem Achtgänger den Speisesaal verlässt, der Reitlehrer ihr hinterher, stellt Magritte sein Weinglas hin und folgt den beiden. Beim Ausgang wird er vom aufgebrachten Wirt aufgehalten: bei diesem Todesfall ginge es nicht mit rechten Dingen zu. Er schalte die Polizei lieber nicht ein, wenn all seine Gäste beim Richter vortraben müssten, schade dies seinen Michelin-Sternen und den Gault-Millau-Punkten. Er, Magritte, möge doch bitte privat eine Enquete führen, dieser maroden Gesellschaft auf den Zahn fühlen. Anfangen soll er an der Traueradresse: Witwe Margarethes Haus am See.
− Kennen Sie Margarethe?
− Ich sah sie eben mit ihrem Reitlehrer hinausgehen.
− Welch harmonische Bewegung des Leibes… und ungestüm wie eine junge Stute! Versuchen Sie, sie allein zu treffen! Am besten kurz vor Mittag, man sagt, sie mache es am liebsten stehend vorm dampfenden Kochherd.
Magritte schnüffelt an der Duftspur. Er pirscht sich heran in der Villenzone, erklimmt die Burgtore, die Befestigungsmauern. Die Häuser am See sehen ordentlich aus. Die Oberfläche ist regelmäßig. Es gibt nur gerade Linien, längs und quer, ein mathematisches Ordnungssystem, in der Sitz- und Tischordnung, in der Architektur. Alles klar und sauber. Magritte kennt diese Manieren, er selber trägt sie im Gesicht, die Triebe darunter sieht man nicht. Er dringt in die Schlafzimmer vor, ins Allerheiligste, um das die Mauern gebaut sind. Er führt die aufbewahrten Königinnen ein in die Handwerkskunst der Liebe, den Ritt durch die Tundra und den chinesischen Schlitten. Die eifersüchtigen Hausherren verteidigen ihr Hab und Gut wie Kampfhähne. Magritte kann sich oft erst in letzter Sekunde durch einen Fenstersprung in die dornigen Rosenstauden retten. Man schießt ihm hinterher mit einer Kalaschnikow. Ein gelber Hund, so groß wie ein Kalb, treibt den Nackten wie ein springendes Reh durch den nassen Morgentau der Parkanlage.
Es gibt noch den Bischof, der Magritte auf mittelalterlichen Tafeln die Anatomie des weiblichen Geschlechts erklärt und wissen will, was denn so besonderes an diesem Organ daran sei. Magritte erklärt das Geheimnis dieses Bermudadreiecks, worin ganze Menschen sich verlieren; des origine du monde, warum sich die Welt und alles Religiöse um ein kleines Nichts dreht.
Im Zuge Magrittes ist eine fulminante Gesellschaftssatire, witzig, poetisch, aber auch schlimm und tragisch: immerhin gibt es am Schluss vier Todesfälle, die es aufzuklären gilt. Der zwanghafte Ordnungssinn treibt die normalen Kranken zum Seelenarzt Dr. Keller, der mit all den Zwangsneurosen einen vollen Ordner macht… und die Leute in die Akten übergehen.
Kommissar Maigret macht den Schlusspunkt: Er stellt allen Verdächtigen ein codiertes Strichkärtlein aus, das jeder bei sich tragen muss, um sich ausweisen zu können.





Bewertungen
Es gibt noch keine Bewertungen.